Mittwoch, 12. Oktober 2011

12 von 12 im Oktober

 Aufstehen. Der Blick aus dem Fenster sagt dunkel, nass und laut.Ob ich doch lieber wieder ins Bett krabble?


In weiser Vorraussicht öffne ich gleich die Kinderzimmertür. Begrüßt werde ich von einem "Neeeeiiiiiin! Dunkel machen, Tür zu!" Ich lasse die Tür auf und das Licht im Flur an und schleiche wieder davon und warte bis sich das kleine Monster berappelt. Nachdem ich fertig bin im Bad, höre ich bereits nachgeahmte Motorengeräusche aus dem Kinderzimmer, das ist ein gutes Zeichen!
Ich wage es das Zimmer zu betreten um gleich darauf mit einem "Mama gehn!" wieder hinaus komplementiert zu werden. Von weiten frage ich nach was der kleine Käfer gern zum Frühstück hätte. "Nichts essen Mama, noch schlafen!"

Okay, also entscheide ich mich heute für ein Teewurstbrot und eine Banane.

Wir befinden uns momentan in einer akuten Nein-Phase. Alles was ich frage wird mit Nein beantwortet. Also lautet mein Schlachtplan für heute morgen: "Schaaaatz, wollen wir heut mal im Schlafi zu E. fahren und uns mal nicht anziehn?" Aber das kleine Monster ist clever und antwortet zum ersten Mal seit Tagen mit "Ja!"
He? Diese Variante hatte ich vorher nicht bedacht. Zum Glück möchte er eine Eisenbahn haben und die platziere ich so das er dabei aus dem Bett kommen muß. Also kann ich ihn ohne Theater hochheben. Hach, ich Clevere, ich! ;-)
- 5 Minuten Unterbrechung der Schlacht. Guten-Morgen-Küsschen und kuscheln muß sein, egal in welcher Phase wir uns gerade befinden. Gott sei Dank sind manche Dinge beständig! -
Das Shirt haben wir an, da fällt dem Käfer ein, er muß auf den Topf. Okay, ich möchte seine Entwicklung ja nicht boykottieren. Aber mir schwant schon woher der Wind weht.
Wir verbringen also die nächste Viertelstunde im Badezimmer und nichts passiert. Der Käfer kommentiert mein Outfit heute so: "Mama hat auch eine Windel an!"


Öhm, ja. Ich speichere im Hinterkopf, wenn ich jemals Blasenprobleme bekomme trage ich Haremshosen, die sind praktisch um das ganze Equipment zu verstecken. Bis dahin trage ich sie auch regelmässig damit es im Ernstfall nicht so auffällt.
Nach knappen 20 Minuten muß ich Topf und Kind leider gewaltsam voneinander trennen. Das war der Todesstoß für dieses bisher friedliche Ambiente. Ohrenbetäubendes Gebrüll gespickt von einem immer wiederkehrenden "Nein, nein!"
 Nachdem wir nun fix und fertig! (ich auch, ne) angezogen sind, glaube ich ist mittlerweile auch der letzte Nachbar wach und beschließe dem mit unkonventionellen Mitteln ein Ende zu setzen.
"Wenn ich Dir ein Bonbon gebe, meinst du, du kannst dann mit mir mitkommen ohne zu Weinen?"
"Ja, ja!!!!" und sofort scheint wieder die Sonne. Ich geb ihm eins und stecke 2 weitere in meine Jackentasche. Die reichen genau bis zur ersten Ampelkreuzung unterwegs. Solcherlei  Methoden wiederstreben mir, aber manchmal haben Süßigkeiten vor dem Frühstück tatsächlich Vorteile. Beherzt greift der kleine Kerl nach dem aufessen zur Wasserflasche und meint er hätte jetzt Hunger. Jetzt kann ich meinen Grün-gelben Joker aus der Tasche ziehen und treffe damit genau ins Schwarze, Teewurst und Banane ist angekommen!

Wir dagegen brauchen wohl noch einen Moment.

Keine Besserung der Lage in Sicht.

Wir sind da! Leider mit Zähne putzen vor dem Frühstück, aber man kann nicht immer alles haben. Seitdem ich das akzeptiere ist das Leben wesentlich leichter geworden.
Seine kleinen Freund sind auch gerade angekommen und die Abgabe bei unserer Tagesmutti geht wie immer recht schnell. Ich kann mir gerade noch ein Küsschen ergattern, dann verschwindet er kritschend und lachend im Spielzimmer. Wenigstens eine Sache über die ich mir nie Gedanken machen muß, dafür ist das Abholen aber jeden Tag schwierig. Wenn sie nach dem Mittagsschlaf auf dem hauseigenen Spielplatz im Garten sind, Kaninchen Stupsi füttern, Katze Lissie streicheln und im eigenen Kinderhäuschen kochen und die Puppen ausfahren ist das Letzte worauf der Junior Lust hat mit Mama nach Hause zu fahren.

Aber jetzt quäle ich mich erst mal wieder durch den Verkehr in den heimischen Teil der Stadt.

Auch sie hat mal wieder ihre aller sieben Monate auftretenden Probleme und trägt sie mit Stil.

Die große Meute ist schon wach und wartet schon gespannt das das Türchen geöffnet wird. Dann werd ich gleich bestürmt zur morgendlichen Begrüßung.

Während Peppels und Onkel Bailey vor der Kamera posieren, interessieren sich andere lieber für die Technik und knabbern die Kamera von hinten an. Jakomo ist quasi meine Kameraassistentin ;-)
Nach meinem letzten Vogelpost hatte ich ein paar begeisterte "Ich möchte auch einen Vogel" - Mails. Ich möchte an dieser Stelle betonen das ich der Meinung bin Papageien haben nichts in der privaten Haltung zu suchen, und damit meine ich alle, vom kleinen Sittich bis zum Kakadu. Ich habe überwiegend Vögel aus sehr schlechten Haltungsbedingungen übernommen und ein paar einzelne als sinnvolle Ergänzungen zur Gruppenzusammenstellung von befreundeten Haltern dazu geholt, quasi zur Resozialisierung. Ich lege keinen Wert auf Zahmheit (auch wenn das auf den Fotos vielleicht manchmal so rüber kommt), ich freue mich das sie mittlerweile wieder untereinander ausgeprägte Sozialkontakte pflegen. Das war nicht immer so. Peppels beispielsweise hat in einem Karienvogelkäfig in einem Starkraucherhaushalt gelebt und wurde als Kinderspielzeug einmal am Tag rausgeholt und von Hand zu Hand weitergereicht. Ihr klar zu machen das sie ein Vogel ist war Schwerstarbeit und auch heute noch ist sie sehr fixiert auf mich. Aber sie hat auch wieder einen Vogelpartner und lebt wie ein richtiger Vogel in der Gruppe und leidet auch nicht wenn ich mal ein paar Tage nicht da bin. Das zu sehen macht mich sehr glücklich!
Einzelhaltung ist Tierquälerei in höchstem Maß und Plastevögel und Spiegel haben im Vogelkäfig nichts zu suchen!!! Ein sprechender Wellensittich tut dies nur aus Verzweiflung und vergeblicher Liebesmüh. Kein Mensch kann einen Vogelpartner ersetzen!
Ich kann mich nicht von Fehlern freisprechen, bei weiten nicht. Schon mein Opa hat Sittiche und Papageien gezüchtet und ich bin quasi damit aufgewachsen und hatte auch lange Jahre so einen verstörten Bubi in meinem Kinderzimmer. Aber es ist nie zu spät dazu zu lernen und etwas zu ändern! Onkel Google bemüht stoßt Ihr auf diverse Vogelforen, die zu durchforsten mehr Wissen und nützliche Tipps bringt als sich Bücher zu kaufen. Wenn schon Vogelhaltung dann wenigstens Artgerecht auf humane Art  und Weise.

Mein kleines Sorgenkind Himalya. Sie und ihren Bruder Ares hab ich 2006 aus einer illegalen Zucht. (Zuchterlaubnis ist in Deutschland erforderlich und wird mit Geldstrafen bis 10.000 Euro geandet! Also nicht mal eben die Wellis  Eier legen lassen!) Der "Halter" hatte zig Vögel in einer großen Voliere im Hinterhof und hatte dauerhaft Brutkästen angebracht. 2006 hatten wir im Dezember ein paar Tage um die 20° hier und als opportonistische Brüter haben die Wellis dort sofort angefangen wieder Eier zu legen. Um Weihnachten dann plötzlichen Minusgrade. Die kleinen hoppsten aus den Kästen und ich fand sie total zugekotet auf dem kalten Boden liegen. Leider habe ich zu spät davon erfahren. Ares und Himalya waren die einzigen Beiden die ich retten konnte. Alle anderen waren bereits erfroren.
Die beiden waren aber in einem erbärmlichen Zustand. Sie waren komplett verklebt mit Kot und müssen bereist tagelang da gelegen haben (die Mutter hat weiter gefüttert, der Kropf war voll). Dadurch konnten sie ihre Gliedmaßen nicht bewegen und waren total verkrüppelt. Ich mußte sie erst mal "waschen" um die ganzen Ekskremente lösen zu können. Leider konnten sie nicht einmal auf ihren Beinchen sitzen. Ich mußte sie noch kurze Zeit von Hand füttern und lange mit ihnen Übungen machen bis sie ihre Beine benutzen konnten. Sie können bis heute nicht fliegen und haben auch einige Schäden davon getragen. Umso mehr freue ich mich das sie mittlerweile 5 Jahre alt geworden sind und putzmunter. Sie kommen gut in ihrer Voliere zurecht, ist auch alles "behindertengerecht" eingerichtet und sie sind gut integriert. Das hätte ich nie zu träumen gewagt. Dennoch ist ihr Immunsystem geschwächt und die Kleine mal wieder erkältet.

Heut gibts mal noch ein 13. Bild, von Himalya und Ares 2006 als Kükis.

So das waren meine 12 von 12 im Oktober, heute war ich mal sehr gesprächig obwohl es nicht ums Nähen ging. Aber ich weiß das viele Vögel falsch halten weil sie es einfach nicht besser wissen und keine schlechten Absichten dabei haben. Vielleicht habe ich mit diesem Post ein paar davon erreicht und damit den Anstoß gegeben die Bedingungen zu verbessern.
Die anderen 12 von 12 - Berichte findet Ihr wie immer bei Caro.

Liebe Grüße Shiva

PS: Premiere, ich habe mal vor 22 Uhr 12 Bilder gemacht! ;-)

Kommentare:

  1. Find ich spitze, dass Du das hier so ausführlich besprochen hast, bin völlig bei Dir!
    LG Andrea

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  2. So ähnlich beginnt unser Tag im Moment auch. Sind Kinder nicht großartig? :-)

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  3. Hut ab vor deinem Engagement für die Vögel!

    Und danke für die schönen Bilder :-)

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  4. Vielen lieben Dank für Eure Worte, schön das Ihr das so seht! ;-)

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